Editorial

November 2007

In Memoriam

Plato hat versucht, moralische Anweisungen zu geben. Cicero hat versucht, sie zu erklären. Kant hat eine Theorie aufgestellt, Schopenhauer eine Gegentheorie. Freud hat versucht sie zu analysieren.
Chaplin, Ketaon, Fields, Lubitsch, Tati beherrschten sie, Allen und Loriot beherrschen sie noch: die Komik.

Autor: Martin Haldenmair
Trotz aller Studien und Überlegungen: wir wissen nicht wirklich, warum der Mensch lacht, und warum er lachen will. Es gibt aber Leute, die wissen, wie man den Menschen zum lachen bringen kann. Zum Lachen bringen, das mag einfach klingen. Aber wie viele Filme, die behaupten Komödien zu sein sind tatsächlich lusig? Über welche Szenen lacht man ungeachtet der momentanen Stimmung und ohne, dass es einem dabei peinlich wird? Wieviele Komödien kann man auch nach Jahren sehen, ohne dass sie gealtert sind, ohne dass man statt Lachen Staubflocken ausstößt? Wirklich gute Komik - Szenen, die frisch bleiben, die zeitlos sind, sind unglaublich schwer. Jedes Detail muss stimmen, jeder Einsatz muss zur rechten Zeit im rechten Maß kommen.
Man unterschätze nie die traurig und lustig oder gar nicht schauenden Spaßmacher, die wahren Clowns, die einfach wissen, wie der Mensch im Inneren tickt, an welchen Hebeln sie spielen müssen, um eine ganz bestimmte Reaktion ihm zu entlocken. Komik ist schwer, Komik ist langwierig. Bei Komik darf man nicht patzen. Sie rettet kein noch so guter Effekt; ist der Witz vergeigt, ist er vergeigt.

Noch mal: wir wissen einfach nicht, warum der Mensch lacht. Aber es gibt Leute, die den Menschen so gut kennen, dass sie ihn mit winzigen Gesten schon zum Lachen bringen können.
Einen dieser Menschen haben wir Menschen vor Kurzem verloren. Wir verbeugen uns vor Evelyn Hamann.














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